Und wie ist der Wiederaufbau nach 1945 zu bewerten?
Mehrere sehr ansehnliche und nicht oder nur wenig zerstörte Häuser sind nach einer umstrittenen Stadtplanung abgerissen worden. Schöne Bürgerhäuser waren darunter, mit markanten Fassaden. Doch in einigen Quartieren ist durchaus wieder ein Altstadt-Flair zu finden, mit einem Neuaufbau-Programm, das wir mittlerweile anerkennend mit "Charme der Fünfziger Jahre" wertschätzen. Laubengang, gegliederte Fassaden mit Balkon und Erker, auffallende Giebel, aufeinander abgestimmte Fensterzeilen.
Einige dieser Häuserreihen sind gerade aufwändig restauriert worden: Die Schlagd, am Finkenherd, am Steinweg, im Graben, am Entenanger, der Pferdemarkt, die Freiheit.
Dieses Stadtbild der neuen Altstadt ist aber nur vage im kollektiven Gedächtnis verankert. Weil solche Bilder auf Instagram und Facebook fehlen?
Es lohnt sich, Kassels neue Altstadt zu erkunden. In der Obersten Gasse 24, an der Ecke zum Entenanger steht dieses auffallende Gebäude. Das Dr. Aschrott-Wohlfahrtshaus wurde 1955 in Anlehnung an den Stil des Neuen Bauens aus den
1920er und 1930er Jahren errichtet. Elemente dieses Baustils lassen sich an der in den späten 1950er Jahren errichteten Häuser-Zeile am Steinweg entdecken.
„Der 1927 verstorbene Landgerichtsdirektor Dr. Paul Felix Aschrott, Sohn von Sigmund Aschrott, vermachte der Stadt Kassel einen Teil seines Vermögens, um damit ein Wohlfahrtshaus mit einer Volkslesehalle nach amerikanischem Vorbild zu erbauen. Dies wurde 1955 realisiert. In dem Haus in der Obersten Gasse 24 befand sich zunächst die Zentralbibliothek. Heute ist dort die Jugendbücherei der Stadtbibliothek zuhause.“
http://stadtbibliothek.kassel.de - Jugendbücherei
- Zum Nachblättern
Das Quartier zwischen Fuldabrücke, Marstaller Platz, Zwehrenturm, Druselturm, Stern, Holländischem Tor, Weserspitze und Altmarkt
Wir betrachten das Stadtbild des alten Kassels mit markanten Fachwerkhäusern und zahlreichen repräsentativen Steinbauten. Doch wie lässt sich der Wohnbedarf in der wachsenden Stadt und der stark zunehmende Straßenverkehr im mittelalterlich geprägten Grundriss der Altstadt planerisch angehen?
Die Stadtverwaltung entwickelt mehrfach Lösungen. Die Idee einer grundlegenden Sanierung aus den 1920er Jahren wird in den Jahren nach 1933 aufgenommen und als nationalsozialistische Planung ausgegeben.
Mehr unter Freiheiter Durchbruch.
Die Fotos hier links sind interessant.
Doch in zahlreichen Bildern steckt auch der schöne Schein. Wie Fotos aus der Zeit um 1900 - 1930 zeigen, bestand die Altstadt in mehreren Quartieren aus dicht gesetzten
Häuserreihen und Hinterhäusern – dringend sanierungsbedürftig. Auch diese Zustände
sind auf Postkarten dokumentiert.
Zwei Fotos auf Postkarten: Kettengasse und Über den Dächern der Altstadt - Sammlung FS
In einem A4-Heft des Geschichtsvereins haben Ulla Spielmann und ich Fotos und Texte zusammengestellt. Wir laden zu einer Stadterkundung "Alte und Neue Altstadt" ein.
Interessiert an Exemplaren des Heftes? E-Mail Anfrage an mich. Oder im Zusammenhang mit einem Rundgang, circa 1,5 Stunden, Treffpunkt Aschrotthaus Oberste Gasse/Entenanger.
Anhand von Stadtplänen und Postkarten denken wir uns in das Alltagsleben in einer Altstadt hinein, in der zuerst die Fachwerkhäuser mit den Geschäften und dann die engen Straßenzüge auffallen. In dieses Ensemble haben sich aber auch Gebäude im Stil der Renaissance, des Barock und des Klassizismus eingefügt, das alte Stadtbild ebenso prägend.
Wir betrachten dann einige neue Straßenzüge und Sichtachsen und nehmen die zahlreichen Beispiele für ein gelungenes Restaurieren und umsichtiges Neu-Bauen unter die Lupe.
Beispielsweise das Quartier zwischen Entenanger und Steinweg oder die Sichtachse vom Marställerplatz hinunter zur Fulda mit Brüderkirche und Renthofbezirk, um am Fluss die Schlagd entlang zu gehen. Die Häuserzeile hier mutet wie eine Gebäudereihe aus der Vorkriegszeit an. Vergleichbar wurde am Pferdemarkt in den 1950er Jahren komplett neu gebaut - größtenteils auf alten Fundamenten und Sockeln sowie in Anlehnung an alte Fensterreihen und Eingänge.
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Ecke Wildemannsgasse - Die Freiheit, Foto 2017 © FS
Die Gebäude wurden 1936 im Zuge der Sanierung der
Altstadt (Freiheiter Durchbruch) neu errichtet. Nur Sie
haben die Bombardierung 1943 überstanden. Sie sind
2016 umsichtig restauriert worden.