Kapitel "Detektivisches Denken"

Etwas Theorie 1
Etwas Theorie 2

Es mag jetzt weit hergeholt klingen.
Aber ich kann mir hier eine Kritik an einigen Diskussionssträngen, die aktuell in Deutschland laufen, nicht verkneifen.
Alle reden von Kompetenzen! Und Spezialisten in ihrer Didaktik überschütten uns mit immer neuen, ausdifferenzierteren Dimensionierungen. Wozu?

Was ist der Kerngedanke kompetenzorientierten Unterrichtens? Es ist nur eine Maxime:
Lehre nicht vom Lehrstoff aus, sondern lasse die Schüler ihre Potenziale entfalten. Benutze Lehrstoff, anstatt ihn durch Dimensionierungen zum Ausgangspunkt von Lehren und Lernen zu machen.

Denke so, dass die Kinder und Jugendlichen dieses Entfalten in zahlreichen Wissensgebieten und Bereichen lernen und üben, um es für sich sinnvoll anwenden zu können.

Benutze Lehrstoff! Zum Beispiel detektivisch.
Konstruiere Unterricht als das Lösen eines Krimis.

Holmes löst die Kriminalfälle rückwärts, er rekonstruiert den Fall. Dabei redet er mit Dr. Watson.
Lehrer reden mit Schülern, um den Weg hin zu einer Lösung, Klärung zu besprechen. Das ist auch eine Form rückwärts zu denken, zu rekonstruieren. Die Denkhandlungen der Schülerinnen und Schüler materialisieren, um gemeinsam individuelle Lösungswege zu erkunden. Fragen sind der Ausgangspunkt, z. B.: Wie lässt sich eine Aufgabe lösen, versuche es, zeige dann deine Überlegungen. Was benötigst du, um das Produkt herzustellen, lass uns über deinen Plan reden. Was hast du bisher getan, um verschiedene Verknüpfungen zu prüfen. Welche Listen hast du angelegt, um weiter zu kommen? Zeige mir deine Notizen, dann können wir die Zwischenergebnisse anprüfen, gemeinsam.

Vor lauter Dimensionierungen von Kompetenzen und im Gewirr von Stufungs-Feinheiten bleibt dieser zentrale Punkt, das Besprechen und Hin- und Herspielen von Zwischenergebnissen, viel zu sehr im Hintergrund.
Es geht um Rekonstruktionen im Dialog!

Dieses Verfahren trifft sich mit einer Grundidee im Wissensreisekonzept: Lege Zwischenergebnisse aus und wir können über dein Wissen reden!

Ist die Situation Holmes - Watson nicht ein sehr interessanter Ausgangspunkt für ein didaktisches Suchen nach abwechslungsreichen Kommunikationen im Unterricht, die alle auf den Dialog und einen Diskurs setzen, eingebunden in die Kooperation zwischen Schülern und zwischen Schüler und Lehrer?

Mehr über solche didaktischen Überlegungen?
Achtung, Wechsel in den Bereich "Wissen zeigen"!
Rekonstruktion im Dialog - Holmes lässt grüßen
Vorsicht, Trugschluss. Nicht zu schnell Schlüsse ziehen aus der Körperhaltung, aus der Art und Weise wie die beiden Protagonisten positioniert sind, wie sie schauen, wie sie Arme und Hände verschränken bzw. weisend halten...

Der souveräne Holmes im Vordergrund...

Ich denke, er weiß sehr wohl, wie sehr er auf Dr. Watson angewiesen ist!