Kollage aus: "Sir Arthur Conan Doyle, Der Mann, der Sherlock Holmes erfand", BRAlpha
Die Kriminalgeschichten von Sherlock Holmes und
Dr. Watson spielen im London des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Hauptstadt des British Empire war das Zentrum der Welt, Symbol für die Globalisierung, den in dieser Zeit noch ungebrochenen Fortschrittsglauben, die Vorrangstellung Europas in der Welt.


Der Arzt Conan Doyle erfand die beiden Figuren, um einen neuen Detektivtyp einzuführen. Seine Kriminalgeschichten sollten keine glatten, leicht zu lösende Fälle wiedergeben. Vielmehr sollten die Leser an den Gedanken der Detektive teilhaben, in die Ermittlungsarbeit und dabei auch in die richtigen und ebenso falschen Schlussfolgerungen einbezogen werden. Irrtümer und Sackgassen im Recherchieren sind elementarer Bestandteil detektivischen Denkens.

Die vielen kleinen Schritte der Detektivarbeit so genau zu schildern, das war der Ausgangspunkt dieser Krimis.

Neu war damit auch das detektivische Denken selbst.

1. Auf die detaillierten Beobachtungen kommt es an, belehrt Sherlock Holmes seine Leser immer wieder. Es ist das analytisch-rationale Denken, das die neue Zeit prägt. So wie in der Forschung, dem Motor des technischen Fortschritts, kommt es auch bei der Detektivarbeit auf genaueste Beobachtungen, auf das Einbeziehen der Erkenntnisse aus den empirischen Wissenschaften (messen, vergleichen, experimentieren) und schließlich auf das Nachvollziehen können der Schlussfolgerungen an.

2. Sherlock Holmes rekonstruiert die Kriminalfälle. Er verfolgt Spuren rückwärts, fragt nach dem Entstehen, der Vorgeschichte von Ereignissen und Spuren.

3. Der Dialog zwischen Holmes und Watson ist der Schlüssel zum Verständnis des detektivischen Denkens.
Holmes löst die Fälle erst im gedanklichen Austausch mit seinem Partner. Es sind Dialoge und letztlich auch Diskurse - es ist nicht nur ein Stilmittel, wenn Watson so oft die Rolle des naiven Mitarbeiters spielen muss.
Conan Doyle ist wie Dr. Watson Arzt. In den Dialogen bringt er das Hin- und Herspielen der Ermittlungsdaten auf den Punkt. Das ist der Kern, der zweite Schritt in der detektivischen Methode, ist der Kristallisationspunkt für Lösungen, für die Auswertung, für einen guten Bericht.


Krimi - Sherlock Holmes - Detektivisches Denken
Eine der zahlreichen Zeichnungen, mit denen Sidney Paget die Abenteuer von Sherlock Holmes und Dr. Watson illustriert hat, in der Zeitschrift "The Strand"
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