Zum Beispiel
Darul Aman Palast
Scans und Fotos Jürgen Fischer
Solche Übermalungen stellt Tacita Dean in Kabul aus.

Im Palast der Königin, Ort für die Parallel-Ausstellungen
zur DOCUMEMTA 13.

GESCHICHTE . AUF . POSTKARTEN-.. ...GESCHICHTE .AUF .A4... - ..AUETOR..
Das AUETOR in Kassel hat eine sehr wechselvolle Geschichte.

Konzipiert war das Tor als gefälliger Eingang zum Park, den der Landesfürst bereits im 18. Jahrhundert für die Stadtbürger öffnete. Entsprechend hieß es zunächst Friedrichstor, auf Friedrich II., Landgraf von Hessen bezogen. Das passte zur Idee, im Fridericianum, auf dem neu gestalteten großen Platz, ein öffentliches Museum einzurichten. Der Fürst als aufgeklärter Herrscher, der Kultur und Bildung fördert.

Das Friedrichstor hat eine interessante Geschichte. Es stand am südlichen Rand des Friedrichsplatzes und gab den Blick zur Landschaft und zum Stadtpark frei. Dem Geschmack der jeweiligen Zeit angepasst wurde es mehrfach errichtet, umgestaltet, abgetragen und neu gebaut. So lassen sich zwischen 1820 und 1907 vier verschiedene Torformen unterscheiden. Die Abbildung auf der Postkarte zeigt das Tor aus dem Jahr 1876, das nach dem Sieg über Frankreich 1871 im damals üblichen Stil umgestaltet wurde und wenige Jahre später den preußischen Adler, das Wappentier der Hohenzollern, aufgesetzt bekam.

Tacita Dean übermalt eine Postkarte aus dem Jahr 1910. Das abgebildete Tor stand jetzt 500 Meter nordwärts vom Friedrichsplatz. Es musste 1907 dem Neubau des Theaters weichen und erhielt, zwar nur unweit vom alten Standort, neben dem Regierungsgebäude doch nur einen Platz im Abseits!

Die Künstlerin fügt Elemente ein, die die aktuelle Fotoansicht anbietet. Sie bezieht sich nämlich in ihrer Übermalung (Gouache) zuerst auf die beiden Postamente, die noch heute den Treppenabgang vom alten Stadtschloss hinunter zur Orangerie begrenzen. Das moderne Geländer, das blaue Schild für Fußgänger und die Laterne kommen hinzu. So verweist sie zugleich auf die aktuelle Situation und auf das Landgrafenschloss, das 1811 abbrannte. Ein neues Schloss sollte gebaut werden, 1821 war das Grundgeschoss fertiggestellt. Kurfürst Wilhelm II. ließ den Bau aber einstellen, auch aus Kostengründen.
Erst 1880 entstand hier ein neues, repräsentatives Gebäude, Sitz des Oberpräsidenten der nun preußischen Provinz Hessen-Nassau mit den beiden Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden (1866).
Der wuchtige Vierflügelbau in Kassel wurde 1943 beim Bombenangriff auf die Stadt zerstört. Heute steht hier der sachlich gehaltene Bau des neuen Regierungspräsidiums.

Die Schlosstreppe und die Pfosten sind erhalten. So steckt in der Entscheidung für die Übermalung der Postkartenansicht des Auetores durchaus eine Aufforderung der Künstlerin an die Betrachter:

Sich an das alte Kassel erinnern.
Kleine Parkanlage neben Regierungsgebäude als Standort für den Mittelteil des Auetores und Blick durch den Triumphbogen hindurch zur Schlosstreppe, die hinunter in die Parkanlage führt.
Die Lage und die Geschichte der Gebäude rekonstruieren.
Wo standen Schloss, Regierungsgebäude und das Tor.

Steckt auch eine politische Aussage in der Auswahl? Bestimmt, denn die Künstlerin nimmt in der Postkartenübermalung nicht nur bewusst die Abseitsstellung des Auetores auf. Auf einer weiteren bearbeiteten Postkarte spielt sie mit der Sichtachse durch den Portikus des Roten Palais. Die Karte aus den 30er Jahren - mit der Aufschrift "Durchblick vom Roten Palais" gibt im Original den Blick auf den Nordflügel des preußischen Theaters frei. Diesen ersetzt sie durch eine Überzeichnung. Es ist das neue Theater, 1959 fertiggestellt und an den Rand des Friedrichsplatzes gesetzt. So konnte eine Sichtachse Portikus des Roten Palais - Fridericinum - Ottoneum - Staatstheater entstehen.

Und noch mehr! Heute lädt in Kassel der DOCUMENTA Rahmen zum Hinuntergehen in die Karlsaue ein. Dieser Gedanke nimmt die Idee der Öffnung auf, den das 1782 errichtete "Friedrichsthor" repräsentierte. Dagegen hatte das 1907 eingeweihte Preußische Staatstheater die gesamte Ostseite des Friedrichsplatzes vereinnahmt.

Diese Geschichte und Bewertung (Öffnung gegen Abschluss) steckt im Rahmenbau, dem genialen Kunstwerk der Gruppe Haus-Rucker-Co, konzipiert zur DOCUMENTA 6, 1977.

Der Rahmen ist ein Kunstwerk, das zum Begehen und Hinunterschauen einlädt. Er ist nicht zufällig Ideengeber im Hintergrund für die Website www.wissensreise.de.

(Rahmenbau).