KASSEL - KABUL . - .NACHLESE. ZUR .DOCUMENTA ..- , I D E E .. F Ü R .. E I N E .. VE R A N S T A L T U N G


Wie sehen sie ihre Stadt, identifizieren sie sich mit ihr?
Finden sie Identifikationen, die für sie wichtig sind, für das eigene, private Leben?
Wo gibt es Identifikationen?
Was können frau/man tun, um Identifikation zu finden, dazu beizutragen.

Welche Rolle spielen eine Kassel-Kultur-Identität, Aufgeschlossenheit für Kunst und ein Geschichtsbewusstsein um die Entwicklung und Weiterentwicklung der Stadt.
Welche Rolle spielen eine Kabul-Kultur-Identität, Aufgeschlossenheit für Kunst und ein Geschichtsbewusstsein um die Entwicklung und Weiterentwicklung der Stadt.




Ist das identitätsstiftend, wenn junge Leute aus Kabul und Kassel sich kleine Kunstwerke
zeigen, darüber zu einem Austausch kommen. Da könnten auch Diskurse entstehen!

Wiederaufbau und noch weiter! Das neue, schöne Kassel im Focus!
In die Innenstadt gehen, sich zu Kunst, Sport und Musik treffen.
Wiederaufbau und noch weiter. Neue Stadtzentren in Kabul im Focus. Eine etablierte Kulturszene,
lebenslustige junge Leute, die sich zu Kunst, Sport und Musik treffen.

Die dOCUMENTA (13) 2012 hat das angeregt, initiiert, vorgedacht. Macht eine "Nachlese" Sinn?
In Form einer Veranstaltung, die zeigt und einbaut, wie deutsche und afghanische junge Leute
ihre Stadt sehen. Gibt es da Parallelen? Was ist den Jugendlichen jeweils wichtig?

Ein Kunstvorhaben könnte Träger dieser Botschaft sein:
Ein Ausgangspunkt für das Suchen nach kultureller Identität und dafür, ein historisches
Bewusstsein auszubilden, das nach vorn zeigt.




Es ist mehr als ein Bezug zur d13. Tacita Dean hat die faszinierenden Zeichnungen zum
Hindukusch-Gebirge und zum Kabul-Fluss geliefert, Kreide auf Schiefertafeln im Treppenhaus des ehemaligen Finanzamtes in der Spohrstraße. In Kabul, im Ausstellungspavillon der dOCUMENTA dort, im wieder aufgebauten ehemaligen Königinnen Palast, hat sie 50 Postkarten mit Fotos aus dem alten Kassel ausgestellt. Jede Postkarte ist übermalt, mit Motiven aus dem heutigen Kassel, mit Anspielungen, Verfremdungen, überraschenden Kollagen.

Schulklassen und Jugendgruppen aus Kassel und aus Kabul übernehmen diese Idee und übermalen Postkarten mit Motiven des alten Stadtbildes und mit aktuellen Motiven. Neues in Altes oder umgekehrt, historische Stadtbilder in aktuelle Fotos einfügen.
Die jungen Leute schicken sich die kleinen Kunstwerke digital zu, tauschen sich per E-Mail und Skype aus. Mal sehen was daraus entsteht. Die Präsentation der Ergebnisse ist Teil der geplanten Veranstaltung.




Junge Besuchergruppen betrachten Kunstwerke der d13 in Kassel, erkunden dabei die Stadt, weil die Ausstellungsorte ja weit auseinander liegen. Die Stadtrundgänge sind beabsichtigt, auch das weitläufige Aufsuchen der Pavillons in der Karlsaue.
Ist die Rezeption von Kultur und dem ganzen Drumherum eine Chance, Identität zu finden?
Das in der Gruppe gleichaltriger zu tun ist wohl entscheidend. Dieser Vermutung gehen wir anhand von Fotos aus den Ausstellungen nach, um dabei auch zahlreiche nachträglich notierte (aufgenommene) und mit den Jugendlichen durchgesprochene Dialoge einzubeziehen.
So viel schon vorweg: Es deutet sich eine Kopplung von selbstbewusst und kulturbewusst an.
Die Kultur vor Ort, die Kultur der Familie erleben, ür Kulturbewusstsein sind Kunst- und Geschichtsbewusstsein grundlegende einher.

Die zweite Fotoausstellung macht mit Bildern aus Kabul und aus Afghanistan bekannt, die einen ganz anderen Blick auf Land und Leute, auf Kultur und Entwicklungen, auf Landschaften, aus Alltag im Dorf, in der Stadt vermitteln als die bei uns vorherrschenden Pressefotos zu Krieg, Unterdrückung, Not.
Beides ist Realität. Wie gehen speziell junge Leute in Kabul mit dieser doppelten Realität um?

Die Fotos stammen aus Bildbänden, die wir aus den Büchern herausgenommen haben und an Stellwänden befestigt zeigen und erklären wollen.
Andere Fotos stammen aus Blogs und Foren, in denen Künstler, Journalisten, politisch engagierte Personen ihre Sicht auf Kabul dokumentieren.
Dann kommen noch private Fotos hinzu. Es sind Eindrücke von Familienangehörigen, geschickt an die deutschen Afghanen in Kassel. Die ausgedruckten Fotos sind an Stellwänden befestigt.

Wir haben jeweils eine Auswahl getroffen, die wir erklären und vorstellen.




Über Erkundungen zu Kunst und Geschichte vor Ort kann so etwas wie Identifikation und Heimat spezifisch entstehen. Was wäre das Spezifische?

Wie verstehen Jugendliche den Begriff "Heimat"? Wie können wir Jugendliche darin bestärken, sich mit ihrer Stadt zu identifizieren und sie wertzuschätzen?

Identifikationsangebote mit der eigenen Stadt. Offene Erkundung, nicht Belehrung.

Bestärken? Nicht belehren. Wir können Ideen vermitteln. Der Bezugspunkt ist aber das echte Interesse an Ansichten, Einsichten, Blickwinkeln der Jungen Leute.

Erkundungen: Weniger zuhören und „zusammenfassen“ als ausprobieren, experimentieren, künstlerisch denken und handeln.

Wir haben so viele Kinder und Jugendliche unterrichtet, die hier in Kassel ihre neue Heimat gefunden haben. Wie nehmen sie die Stadt wahr. Kassel hat eine lange Tradition in der Zuwanderung: Glaubensflüchtlinge (Hugenotten), Arbeit suchende im 19. Jahrhundert, Flüchtlinge und Heimatvertriebene 1944 bis 1950, Gastarbeiter ab 1960, Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan (90er Jahre), Aussiedler aus dem Osten sowie Krisen-, Kriegs- und Armuts-Flüchtlinge in den letzten 20 Jahren.

Die Diskussion um den Stellenwert einer Kassel-Kultur-Identität  für Junge Leute spielt  zurzeit in zahlreichen renommierten Vereinen und Organisationen  eine große Rolle. Wir vom Verein für hessische Geschichte und Landeskunde reihen uns hier ein und möchten mit der Veranstaltung ein Forum für Diskussion, Weiterarbeit und Kooperationen geben.

Ursula Spielmann, Jürgen Fischer im Juli 2015

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Junge Leute in Kassel und Junge Leute in Kabul
Postkartenprojekt - Ansichten aus Kassel und Ansichten aus Kabul übermalen
Junge Leute sehen ihre Stadt - Heimat!
Zwei Fotoausstellungen kommen hinzu
Mitten in die Veranstaltung wollen wir eine Podiumsdiskussion einbauen